Hilde, Hans und ich
2016


Anlass:
Für das Hans-und-Hilde-Coppi-Gymnasium entstand eine neue Dreifachturnhalle mit Foyer.
Entsprechend den Vorgaben des Landes Berlin wurde in diesem Rahmen ein geladener Kunstwettbewerb ausgelobt.

Wettbewerbsvorschlag:
Künstlerische Idee:
Die Namensgeber der Schule Hans und Hilde Coppi wurden wegen ihrer politischen Gesinnung im Alter von 26 und 34 Jahren von den Nationalsozialisten hingerichtet.
Welche Bedeutung hat „Widerstand“ heute für Menschen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren (dem Alter der Gymnasiast*innen)?
Welche Funktion kann ein Denkmal erfüllen, das an 2 Menschen erinnert, die jung ihr Leben ließen? Wie kann man an Hans und Hilde Coppi erinnern, wie kann man sie würdigen?

Es war für mich naheliegend mich mit diesen beiden Personen zu befassen. Sie haben noch keine künstlerische Würdigung in Berlin erfahren. Ihr Leben und ihr Schicksal formten sich in einem Alter, das aus der Perspektive eines Jugendlichen vorstellbaren nahe ist.

„Wer bin ich?“ „Wer oder was will ich sein?“
„Welche Rolle kann bei diesen Fragen die Biografie eines anderen Menschen spielen?“
„Welche Rolle kann ein Vorbild einnehmen?“
und „Wie kann ich mich dazu in Bezug setzten?“
Die Idee meines Entwurfs ist diese Fragestellungen im Foyer wörtlich zu umzusetzen:


Umsetzung:
Auf beiden Seiten des gangartigen Foyers werden sich gegenüberliegende Spiegelbänder auf durchschnittlicher Augenhöhe angebracht. Im Vorbeilaufen sieht man je nach eigener Körpergröße nur einen Teil seines Gesichts. Gleichzeitig vervielfältigt man sich in der Tiefe des Spiegelraums. Am Ende jedes der beiden Spiegelbänder ist ein Portraitfoto von Hans, bez. Hilde Coppi auf die Oberfläche des Spiegels wahrnehmbar. Die hellen Anteile des Gesichts werden sandgestrahlt, bilden eine matte und heller wirkende Oberfläche, die dunkleren Anteile des Gesichts dagegen, spiegeln weiterhin und wirken tiefer und dunkler. Stellt man sich vor den Spiegel, kann man sein eigenes Gesicht mit dem Gesicht des Porträtierten zur Deckung bringen – Teile des eigenen Gesichts spiegeln sich im Gesicht des Anderen.
Das zweites Element des Entwurfs ist ein Sgraffito.
An jeder der beiden Wände ist jeweils links ein Sgraffito in den Putz gekratzt. Es zeigt einmal Hans und einmal Hilde.
Die Größe des Sgraffitos entspricht in etwa der Fläche die man mit seinem eigenen Kopf hinter sich ausblendet, wenn man versucht sich im Bildnis von Hans , bez. Hilde zu spiegeln.


Vermittlung:
Das Foyer mit seinen großflächigen weißen Wänden hat den Charakter eines White Cubes, eines Ausstellungsraums. Um einen lebendigen Umgang mit Raum, Kunstwerk und Gedenken zu etablieren, sollen die Schüler*innen von Beginn an diesen Ort für ihre eigenen Reflektionen nutzen. Denkbar ist das Thema „Selbstporträt“ und in diesem Rahmen auch das bezeichnen der Spiegel mit dem eigenen Spiegelbild.